Anton Häusler,
Thalkirchner Str. 284,
81371 München,
Tel.: 089/7236837


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Das „REGIONALE THERAPIEZENTRUM“ für Kinder, Jugendliche und Familien

ein wichtiger Baustein im Verbund mit der schulischen und pädagogischen Grundversorgung von Kindern, Jugendlichen und Familien in der Region.

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Einleitung zum Konzept eines regionalen „TherapieZentrums“.

Wenn ein Kind ein gravierendes Problem oder Leiden hat, so fühlen sich die Eltern bei dessen Bewertung und im Umgang damit oft alleinegelassen. Bei professionellen Helfern, wie Lehrern, Pädagogen, Psychologen oder Ärzten erhalten Sie - dem professionellen Wissen entsprechend - zumeist unterschiedliche Antworten und Empfehlungen bzgl. des Problems ihres Kindes. Ähnlich verhält es sich, wenn das Kind bereits in einer kinder- und jugendpsychiatrischen Klinik oder psychosomatischen Klinik untergebracht ist und es nach dieser Unterbringung in eine teilstationäre oder stationäre Unterbringung der Jugendhilfe wechselt. Zumeist verändert sich damit von einem auf das andere Mal der Indikationskatalog und Behandlungsplan. Das Problem des Kindes blieb aber unverändert. Hinzu kommt, daß die Eltern die unterschiedlichen Antragsmodalitäten zumeist nicht kennen, wodurch deren Hilflosigkeit weiter verstärkt wird.

Meine Vision, die der Konzeptentwicklung eines regionalen „TherapieZentrums“ voranging, speiste sich aus der langjährigen beruflichen Erfahrung, daß es dort, wo Berufsgruppen aus dem Bereich der Sozial- und Heilberufe bemüht an dem Ziel der bestmöglichen Versorgung der Kinder, Jugendlichen und Familien zusammenarbeiten, zu einer Optimierung der diagnostischen Einschätzung und Formulierung eines Gesamtbehandlungsplanes kommt. Dies ist im Besonderen bei Problemen der Gruppe der Migrantenfamilien und den in vielfältiger Form leidenden, Kindern und Jugendlichen von psychisch erkrankten Eltern von größter Bedeutung. Haben alle der o. g. Berufsgruppen die möglichen Ursachen des Problemes, bzw. der Probleme von Kind und Familie fachlich differenziert erörtert und einen Konsens hinsichtlich des dann mit den Eltern formulierten Gesamtbehandlungskataloges entwickelt, so fühlen sich die Eltern weit mehr wahrgenommen. Sie sind im Sinne einer Gesamtsicht des Problemes gut aufgeklärt und für eine Behandlung, bzw. Betreuung ihres Kindes bereit und zugänglich. Die erreichte Einsicht bei den Eltern führt zu einer erhöhten Motivation und Mitarbeit für die dann vorzunehmende Behandlung und Betreuung ihres Kindes. Dies trägt entscheidend zur Reduktion der Behandlungs-, bzw. Betreuungszeit bei.

Wie aber kann es gelingen, daß die wesentlichen formellen Unterstützungsbereiche für Kinder, Jugendliche und Familien, die der Staat bereithält, örtlich gewinnbringend zusammenarbeiten? Kinder- und Jugendliche benötigen in ihrer geistigen, seelischen und körperlichen Entwicklung eben auch der Hilfe durch verschiedene formelle staatliche Unterstützungsbereiche. Die schulischen Angebote (Kultusbereich) werden oftmals durch Formen pädagogischer Nachmittagsbetreuung (Sozial-/Jugendhilfebereich) ergänzt. Die wesentlichen klinisch-therapeutischen Behandlungsangebote (Gesundheitsbereich) sind bislang als drittes formelles staatliches Hilfesystem vor Ort nicht oder nur unzureichend organisiert. Die Idee des regionalen „TherapieZentrums“ an Schulen mit pädagogischer Nachmittagsbetreuung (Ganztagesschule, Tagesheim, Hort oder sozialpädagogische Intensivgruppe) widmet sich im Konzept der vernetzten Zusammenarbeit dieser drei staatlichen formellen Hilfen. Sie ähnelt der Idee eines Arzthauses oder poliklinischen Ambulanz. Meines Erachtens sollen dort mindestens folgende therapeutische Angebote vorgehalten werden: Ergotherapie, Logopädie, Kinder- und Jugendtherapie, Legasthenietherapie, Dyskalkulietherapie, Familientherapie, Psychodiagnostik als Verlaufsdiagnostik. Die Methoden also, die für diese Personengruppe am häufigsten nachgefragt werden. Optional können hinzukommen: Krankengymnastik, Montessoritherapie, Psychomotorik oder eine Lernwerkstatt für eine multiprofessionelle Nutzung und Kleingruppenarbeit (Konzepte in den Städten Münster oder Kassel) und Kinder- und Jugendpsychiatrie, sowie Erwachsenenpsychotherapie . In diesem Konzept werden u. a. Steuerungs- und Ablaufprozesse, sowie Zuständigkeitsfragen behandelt. Zielsetzung des Konzeptes ist es, eine Gesamtbehandlungsplanung für das Kind, den Jugendlichen und ggf. der Familie - koordiniert durch einen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (als Diplom-Psychologe)* - strukturell und regional zu ermöglichen. Ein Ziel, von dem man heute noch weit entfernt ist.

Durch diese ambulante und damit kostengünstigste Versorgungsstruktur (Stichwort: „ambulant vor stationär“), die gleichzeitig flächendeckend regional umsetzbar ist, ist ein hohes Einsparpotential für alle beteiligten Kostenträger (SGB V, SGB VIII...) bei einer gleichzeitig hohen Gesamtbehandlungsqualität gegeben (vgl. § 46 BSHG, § 36 SGB VIII, § 43 a SGB V). Alles was ambulant behandelt und betreut werden kann, soll auch vor Ort und als Vorteil für die Betroffenen (Kind, Jugendlicher, Familie. -> Recht auf Eingliederung) organisiert sein. Weitere Bausteine der internen Qualitätssicherung sind Fallsupervision und Organisations- beratung. Und ganz wesentlich: die Qualitätssicherung beginnt bereits bei der Eingangsdiagnostik bzw. Eingangsbewertung. Die dann konkrete Einsparung für die o. g. Kostenträger besteht darin, als teure teilstationäre und stationäre Unterbringungen der Kostenträger teilweise vermieden werden (Primärprävention) und sich die Unterbringungszeiten in diesen teuren Einrichtungen durch eine qualitativ hochwertige Nachsorge in der „TA“ (Tertiärprävention) verkürzen lassen. Durch die Trennung der (Eingangs-)Diagnostik von der Behandlung wird das Problem der Selbstzuweisung von Klienten der im „TZ“ arbeitenden Professionen vermieden und Behandlung findet - anders als bisher (->Einsparung) - erst dann statt, wenn eine medizinisch-psychologische Standard-, bzw. Differentialdiagnostik + pädagogische Bewertung stattgefunden hat. Und ein weiterer Vorteil daraus: Mit diesem Konzept wird eine gemeinsame Bedarfsplanung der o. g. Kostenträger i. S. der Novellierung des SGB IX sehr viel leichter ermöglicht. Und - Stichwort „Pisa-Studie“: Endlich können Kinder bezüglich ihrer Entwicklungsdefizite vor Ort ganzheitlich gefördert werden. Ein Quantensprung.

Um eine reales Bild von einem möglichen TherapieZentrum zu vermitteln: Die Konkretisierung meiner Konzeptidee entstand zeitlich parallel zum Abriß des Ökohauses im Bereich München-Westend (Bild nächste Seite). Es mußte dem Bau einer Grundschule weichen und hätte als ein idealer Ort für ein regionales „Therapiezentrum“ dienen können.

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* Nur Dipl.-Psychologe mit Fachkundenachweis nach § 95 c SGB V und mgl. auch klinischer Psychologe.

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